Wissen Was in eine AI-Schulung gehört
Die meisten AI-Schulungen verpuffen. So wirkt eine
Eine AI-Schulung wirkt, wenn sie an den eigenen Aufgaben übt, die Regeln des Hauses gleich mitliefert und nach einigen Wochen einen zweiten Termin hat. Ein halber bis ganzer Tag reicht für die Grundlage. Dokumentiert erfüllt sie zugleich die Pflicht aus Artikel 4 des AI Act.
Warum verpuffen so viele Schulungen?
Weil sie Werkzeuge vorführen statt Arbeit zu verändern. Am Ende sind alle beeindruckt, und niemand weiß, welche eigene Aufgabe sich damit erledigen lässt. Zwei Wochen später ist der Zugang offen, und kaum jemand benutzt ihn.
Bedienung ist nicht das Problem. Das Problem ist die Übersetzung: Wie sieht die eigene Arbeit aus, wenn ein Modell einen Teil davon übernimmt, und ab wann ist sein Vorschlag gut genug, um damit weiterzuarbeiten?
Was muss eine Person danach können?
Drei Dinge, in dieser Reihenfolge. Erstens den Auftrag: Was genau soll herauskommen, für wen, in welcher Form? Wer das nicht sagen kann, bekommt beliebige Ergebnisse, vom Modell wie vom Kollegen.
Zweitens den Rahmen: welche Unterlagen dazugehören, welche Regeln im Haus gelten, welche Daten hineindürfen und welche nicht. Der größte Teil der Qualität entsteht hier. Drittens die Formulierung selbst. Sie steht zuletzt, weil sie am wenigsten trägt.
Dazu kommt etwas, das man nicht üben, nur verstehen kann: wann ein Modell etwas erfindet. Sprachmodelle erzeugen plausible Sätze, keine geprüften Auskünfte. Wer das einmal an einem eigenen Beispiel erlebt hat, prüft danach anders.
Wie lang muss eine Schulung sein?
Ein halber bis ein ganzer Tag reicht für die Grundlage, wenn die Beispiele aus dem eigenen Haus kommen. Ein dreitägiges Seminar mit fremden Fällen bringt weniger.
Entscheidend ist, was danach passiert. Aus unseren Projekten: Wir erheben vorab, welche Aufgaben im Haus Zeit fressen, üben im Workshop genau daran und geben danach zwei Wochen Zeit zum Weiterüben, mit Rückmeldung auf jede Eingabe. Ohne diese Phase verpufft der Tag.
Nach Rollen zu unterscheiden lohnt sich. Die Führung braucht Entscheidungswissen: welche Werkzeuge, was rechtlich gilt, wo die Grenze verläuft. Die Fachabteilungen brauchen Handwerk an den eigenen Aufgaben. Die IT braucht beides und den Blick auf Zugänge und Datenwege.
- Vorbereitung
- vor Ort
- Üben im Alltag
- Termin
Quelle: Vorgehen von ADA Impact im Modul Können. Nachweis nach Artikel 4: Teilnehmerliste, Inhalte, Regeln.ADA Impact
Welcher Nachweis zählt nach Artikel 4?
Eine Teilnehmerliste mit Datum und Inhalten, eine Seite Regeln und eine benannte Person für Fragen. Seit dem 27. Juli 2026 verlangt Artikel 4 von Anbietern und Betreibern, Maßnahmen zu ergreifen, die die AI-Kompetenz ihres Personals fördern. Ein bestimmtes Niveau müssen sie nicht garantieren.
Ein Zertifikat braucht es nicht. Die EU-Kommission schreibt in ihren Fragen und Antworten zu Artikel 4, Organisationen könnten Schulungen und andere Maßnahmen intern aufzeichnen. Was genau im Artikel steht, erklärt der Beitrag Artikel 4 wurde entschärft.
Wer eine Schulung einkauft, sollte diese Unterlagen gleich mitbestellen. Sie kosten den Anbieter kaum etwas und belegen nach einem Jahr noch, dass es die Schulung gegeben hat.
Welche Fehler sehen wir am häufigsten?
Erstens Werkzeug vor Aufgabe: Ein Zugang wird beschafft, danach wird gesucht, wofür man ihn brauchen könnte. Zweitens alle gleich behandeln: Eine Schulung für das ganze Haus ist für die eine Hälfte zu oberflächlich und für die andere zu technisch.
Drittens die Regeln nachliefern: Wenn im Workshop niemand sagen kann, welche Daten hineindürfen, üben die Leute mit erfundenen Beispielen oder mit echten Kundendaten. Beides ist schlecht. Viertens kein zweiter Termin: Nach zwei bis vier Wochen kommen die Fragen aus dem Alltag. Eine Stunde zu diesem Zeitpunkt ist mehr wert als der halbe erste Tag.
Was sollten Sie beim Einkauf fragen?
Vier Fragen trennen eine Vorführung von einer Schulung. Woher kommen die Beispiele? Wenn die Antwort nicht „aus Ihrem Haus“ lautet, wird es eine Vorführung. Was bekommen wir schriftlich? Teilnehmerliste, Inhalte, Regeln.
Was passiert in den Wochen danach? Übungszeit und ein zweiter Termin entscheiden, ob sich der erste Tag lohnt. Und wer steht vorn? Jemand, der selbst Systeme baut, beantwortet Rückfragen aus der Fachabteilung anders als jemand, der Folien zeigt. Was der Einstieg bei uns umfasst, steht unter Können.
Woran merken Sie, dass es gewirkt hat?
Daran, dass vier Wochen später jemand von sich aus erzählt, welche wiederkehrende Aufgabe jetzt anders läuft, und sagen kann, warum er dem Ergebnis traut. Nicht an der Zufriedenheit im Feedbackbogen.
Bleibt das aus, fehlt selten das Wissen. Meist fehlen die Regeln oder der Ablauf dahinter. Eine Schulung macht einzelne Leute schneller, Zeit für das ganze Team entsteht erst, wenn ein Arbeitsschritt anders läuft. Wie das aussieht, zeigt das Projekt Auftragserfassung bei der VGG Handels AG.
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 4 in der Fassung der Verordnung (EU) 2026/1744, EUR-Lex
- Europäische Kommission: AI Literacy – Questions & Answers (Stand 27. Juli 2026)
Stand 5.10.2026. Dieser Text ersetzt keine rechtliche Prüfung im Einzelfall.




